ENERGIEEFFIZIENZ IM HOTEL FINANZIEREN: WIE UNVERKAUFTE ZIMMER INVESTITIONEN MÖGLICH MACHEN
05. Mai 2026 | Lesezeit: 8 Minuten
Einblicke aus der Podcast Folge 26 "Watt Jetzt" von Betterspace
Energieeffizienz im Hotel ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern eine betriebliche Notwendigkeit. Die passenden Lösungen gibt es bereits, etwa im Bereich smarter Heizungssteuerung. Und trotzdem werden viele Maßnahmen in der Praxis nicht umgesetzt. Der Grund ist selten fehlende Überzeugung, sondern meist ein ganz praktischer: Das Budget. Gerade im Hotelalltag zeigt sich das deutlich. Leere Zimmer werden weiter beheizt, Energie wird verbraucht, ohne dass ein Gast davon profitiert. Gleichzeitig fehlt die Liquidität, um genau diese Prozesse effizienter zu gestalten. Viele Projekte landen deshalb auf der bekannten Liste: Sinnvoll, aber verschoben.
Genau hier setzt eine zentrale Frage an, die im Podcast „Watt Jetzt?“ von Betterspace diskutiert wird: Wie lassen sich Investitionen in Energieeffizienz, etwa in Lösungen wie better.energy realisieren, ohne zusätzliche finanzielle Mittel zu binden?
Im Gespräch mit Alexander Blancke, Gründer von Beyond Bookings und Marie-Kristin Heitmann, Marketing Managerin bei Betterspace, wird schnell klar:
Die Antwort liegt oft näher, als eigentlich gedacht. Denn unverkaufte Zimmer sind mehr als nur Leerstand. Sie sind eine Ressource, die bislang in vielen Hotels ungenutzt bleibt.
Im Folgenden greifen wir die zentralen Gedanken aus dem Gespräch auf und zeigen, wie sich genau daraus neue Möglichkeiten ergeben.
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Leerstand neu gedacht: Die Idee hinter Beyond Bookings
Der Ursprung der Idee liegt im ganz normalen Hotelalltag. Alexander Blancke kennt die Situation aus eigener Erfahrung. Über viele Jahre hinweg war Leerstand vor allem eines: Etwas, das akzeptiert werden musste. Kein Hotel erreicht dauerhaft eine Auslastung von 100 Prozent. Ein Teil der Zimmer bleibt unverkauft und wird am Ende abgeschrieben. Was ihn dabei immer beschäftigt hat, ist eine einfache Frage: Warum bleibt es eigentlich dabei? Warum wird etwas, das offensichtlich vorhanden ist, nicht weitergedacht?
Aus genau diesem Gedanken heraus entstand Beyond Bookings und das Modell bebo convert. Der Ansatz ist bewusst anders gedacht: Leerstand wird nicht länger als unvermeidbarer Verlust gesehen, sondern als wirtschaftlicher Hebel.
Im Gespräch wird deutlich: Es geht nicht darum, mehr zu verkaufen, sondern das Vorhandene besser zu nutzen. Oder anders gesagt: Leerstand nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv einzusetzen.
Warum Leerstand mehr ist als nur ein leeres Zimmer
Im weiteren Verlauf des Podcasts wird ein Punkt deutlich, der im Alltag oft unterschätzt wird: Ein leeres Zimmer ist nicht einfach nur ungenutzte Kapazität. In erster Linie bringt es natürlich keinen Umsatz. Gleichzeitig verursacht es aber weiterhin Kosten, wie die Miete bzw. die Pacht, die Energiegrundlast, Personalkosten oder Versicherungen. Diese Kosten fallen an, unabhängig davon, ob ein Zimmer belegt ist oder nicht. Für viele Hotels fühlt sich Leerstand daher zunächst neutral an. Tatsächlich ist er jedoch ein laufender Kostenfaktor.
Besonders greifbar wird das beim Blick auf die Auslastung: Im Durchschnitt bleiben rund 33 % der Zimmer unverkauft. Anders gesagt: Jedes dritte Zimmer steht leer. Bei einem Hotel mit 80 Zimmern summiert sich das schnell auf mehr als 9.000 ungenutzte Übernachtungen pro Jahr und damit auf eine erhebliche, oft unterschätzte Größe.
Entscheidend wird es beim Blick auf die tatsächlichen Mehrkosten. Der Unterschied zwischen einem leeren und einem belegten Zimmer liegt häufig nur in den sogenannten Grenzkosten, also den zusätzlichen Kosten, die durch einen Gast entstehen. Dazu zählen Reinigung, Wäsche oder Abnutzung. Im Schnitt liegen diese bei etwa 25 Euro pro Belegung. Genau hier entsteht der wirtschaftliche Hebel: Wenn es gelingt, für diese Zimmer einen Gegenwert zu schaffen, der über diesen Grenzkosten liegt, wird aus einem vermeintlichen Kostenfaktor plötzlich ein Vorteil. Im Podcast wird damit ein zentraler Gedanke greifbar: Nicht der Leerstand selbst ist das Problem, sondern die Frage, wie mit ihm umgegangen wird.
So funktioniert das Modell in der Praxis
Im Gespräch wird die Funktionsweise dann Schritt für Schritt erklärt und wirkt am Ende deutlich unkomplizierter, als zunächst vermutet wurde. Ausgangspunkt ist immer eine konkrete Investition im Hotel, zum Beispiel eine Maßnahme im Bereich Energieeffizienz wie better.energy. Entscheidend ist, dass die Kosten dafür klar definiert sind.
Der Ablauf lässt sich im kern so zusammenfassen:
- Das Hotel plant eine konkrete Investition, beispielsweise better.energy
- Auf Basis der Kosten wird berechnet, wie viele unverkaufte Zimmer benötigt werden
- Das Hotel stellt ein entsprechendes Kontigent aus dem eigenen Leerstand zur Verfügung
- Beyond Bookings übernimmt die Finanzierung und begleicht die Rechnung direkt beim Anbieter
Das Projekt kann somit umgesetzt werden, ohne dass das Hotel die Investition vorab aus eigener Tasche zahlen muss.
Die Zimmer werden anschließend über zusätzliche Vertriebskanäle vermarktet, die bewusst außerhalb der bestehenden Buchungswege liegen. Entscheidend ist dabei, dass keine bestehende Nachfrage beeinflusst wird. Es geht ausschließlich um Zimmer, die sonst leer geblieben wären.
Für das Hotel selbst verändert sich im operativen Alltag kaum etwas. Die Gäste buchen regulär, reisen wie gewohnt an und durchlaufen die üblichen Abläufe im Haus. Der Unterschied liegt im Hintergrund, nämlich darin, wie die Investition finanziert wurde.
Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel des coucou Hotels in Titisee, das im Podcast angesprochen wird. Dort wurde eine intelligente Heizungssteuerung umgesetzt, um den Energieverbrauch in nicht belegten Zimmern besser zu steuern. Statt die Investition klassisch zu finanzieren, wurde sie über den eigenen Leerstand abgebildet. Besonders spannend ist dabei die Dynamik: Die zur Verfügung gestellten Zimmerkontingente wurden deutlich schneller genutzt als ursprünglich geplant. Gleichzeitig
zeigt das Beispiel, dass die tatsächlichen Kosten für das Hotel nicht sofort anfallen, sondern sich über die Vertragslaufzeit verteilen, während die Lösung bereits im Einsatz ist.
Dass sich dieser Ansatz beim coucou Hotel langfristig etabliert hat, bestätigt folgendes Zitat von Jochen Lauber, Hotelmanager: „Bei jeder größeren Investition fragen wir inzwischen zuerst, ob wir das über Beyond Bookings abbilden können.“
Das Beispiel zeigt außerdem, dass es nicht bei einem einzelnen Projekt bleiben muss. Der Ansatz lässt sich grundsätzlich auch auf viele Bereiche übertragen – alles, was eine Rechnung hat, kann über diesem Weg abgebildet werden.
Klingt zu gut, um wahr zu sein? Die häufigsten Fragen aus der Praxis
Genau an diesem Punkt entsteht im Gespräch auch Skepsis. Eine der häufigsten Fragen lautet: Warum gelingt es Beyond Bookings, Zimmer zu vermarkten, die das Hotel selbst nicht verkauft hat?
Die Antwort liegt im Ansatz. Die Gäste, die über dieses Modell kommen, suchen in der Regel nicht gezielt nach einem bestimmten Hotel. Sie orientieren sich eher an Regionen, Erlebnissen oder Angeboten. Dadurch wird eine Zielgruppe erreicht, die über klassische Kanäle oft gar nicht angesprochen wird.
Ein weiterer Punkt betrifft die Gäste selbst. Die Sorge, es könnte sich um ein schwieriges oder rein preisgetriebenes Klientel handeln, bestätigt sich in der Praxis nicht. Es handelt sich überwiegend um Freizeitgäste, die sich ganz normal im Hotel bewegen und vor Ort zusätzliche Umsätze generieren. Spannend ist dabei auch eine Zahl aus dem Gespräch: Rund 85-90% dieser Gäste waren zuvor noch nie im jeweiligen Hotel. Es entstehen also nicht nur Buchungen, sondern tatsächlich neue Kontakte.
Die Vorteile: Warum sich bebo convert lohnt
Nach der Funktionsweise und den typischen Fragen wird im Austausch ein Punkt besonders greifbar: Warum lohnt sich das Ganze eigentlich wirtschaftlich? Ein zentraler Vorteil liegt in der Schonung der Liquidität. Die Investition kann umgesetzt werden, ohne dass das Hotel die Kosten vorab selbst tragen muss. Gerade in einem Umfeld, in dem Budgets eng geplant sind und viele Projekte miteinander konkurrieren, ist das ein entscheidender Unterschied.
Der eigentliche Hebel liegt jedoch in den Kosten selbst. Während der Großteil der Betriebskosten ohnehin anfällt, entstehen bei einer zusätzlichen Belegung meist nur geringe variable Kosten. Die Investition wird heute umgesetzt, während sich die tatsächlichen Kosten erst später ergeben und über die Zeit verteilen.
Im Podcast wird dieser Effekt treffend beschrieben: Eine Art Finanzierung mit negativem Zins. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass der Gegenwert der Investition höher ist als die später entstehenden Kosten.
Was das konkret bedeutet:
- Investitionen sind möglich, ohne eigene Liquidität zu binden
- Die tatsächlichen Kosten entstehen zeitversetzt und bleiben überschaubar
- Zusätzliche Gäste sorgen für mehr Auslastung und weitere Umsätze
- Gleichzeitig entsteht die Chance, neue Stammgäste zu gewinnen
Am Ende entsteht so ein Zusammenspiel mehrerer Effekte, das den Ansatz für viele Hotels wirtschaftlich interessant macht.
Fazit
Das Gespräch zeigt, dass viele Herausforderungen in der Hotellerie bekannt sind. Leerstand und Investitionsstau gehören zum Alltag. Neu ist jedoch der Blick darauf, wie sich beides miteinander verbinden lässt.
Statt unverkaufte Zimmer einfach hinzunehmen, können sie gezielt genutzt werden, um Projekte umzusetzen, die sonst häufig verschoben werden. Genau darin liegt der eigentliche Perspektivwechsel, der im Podcast deutlich wird. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass dieser Ansatz nicht nur funktioniert, sondern auch weiter gedacht werden kann. Neue Gäste, zusätzliche Umsätze und mehr Spielraum für Investitionen sind dabei keine Nebeneffekte, sondern ein fester Bestandteil des Modells. Damit wird deutlich, welches Potenzial entsteht, wenn vorhandene Ressourcen neu gedacht werden.
Ein besonderer Dank geht an Betterspace für die Einladung in den Podcast und den offenen Austausch zu diesem Thema.
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